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Leistungsdiagnostik Fußball Training

Leistungsdiagnostik im Fußball – Konditionstraining

Gastautor Jesper M. Schwarz, Reha- und Athletiktrainer im NLZ von Eintracht Braunschweig und Gründer von SoccAthletix – spielend fit werden (www.soccathletix.de) stellt in seinem heutigen Artikel die Bedeutung einer fußballspezifischen Leistungsdiagnostik sowie die gängigen Testverfahren im Amateurfußball vor.

Der Fußballsport entwickelt sich enorm schnell weiter. Neben dem sportlichen und dem gesellschaftlichen Interesse treibt auch das wirtschaftliche Interesse die Entwicklung sportwissenschaftlicher und sportmedizinischer Leistungsdiagnostik voran. Im Bereich der taktischen Spielanalyse ist es mittlerweile so weit, dass in Hoffenheim eine meterhohe Videoleinwand neben dem Trainingsplatz steht, auf der der Cheftrainer in Echtzeit Szenen nachstellen und mit den Spielern analysieren kann.

Durch eine objektive Analyse der Wettkampf- und Trainingsleistung und der damit verbundenen Möglichkeit der individualisierten Belastungssteuerung kann aber auch dem Wandel, den neuesten Erkenntnissen und den voranschreitenden Entwicklungen der Sportart Fußball im athletischen Bereich gerecht werden. Diese Evaluierung der Leistungsfähigkeit werden unter dem Begriff „leistungsdiagnostische Verfahren“ zusammengefasst.

Verfahren der Leistungsdiagnostik

Bei Individualsportarten wie zum Beispiel der Leichtathletik (u.a. 100m-Sprint) sind Testverfahren bereits weit verbreitet. Vorhandene, über Jahre gesammelte Normwerte ermöglichen eine einfache und schnelle Einordnung und Auswertung der gewonnenen Testergebnisse.

Im Vergleich zu Individualsportarten gestaltet sich die sportartspezifische Leistungsdiagnostik in komplexen Sportarten wie z.B. dem Fußball sehr kompliziert.  Fußball setzt sich aus vielen verschiedenen Bewegungsmustern zusammen, deren Ausführung durch konditionelle Faktoren wie Ausdauer, Schnelligkeit, Kraft, Koordination oder Beweglichkeit beeinflusst wird. Auch technisch-taktische Fähigkeiten haben einen immensen Einfluss auf die Leistungsfähigkeit.

Welche Testverfahren werden im Fußball angewendet?

Aktuell werden in den Spielsportarten häufig nur einzelne Komponenten mehr oder weniger isoliert im Rahmen der Leistungsdiagnostik getestet. Ein Beispiel dafür ist die Bestimmung der linearen Sprintfähigkeit mittels Lichtschranken.

Eine isolierte Bestimmung einzelner Belastungsparameter gibt dem Athletiktrainer zwar Aufschluss über die Antrittsgeschwindigkeit der Spieler, berücksichtigt jedoch wichtige Einflussfaktoren, wie z.B. das Einwirken eines Gegenspielers, nicht und sagt z.B. im Fall der Sprintfähigkeit noch nichts darüber aus, wie schnell der Spieler MIT Ball ist.

Obwohl es bislang noch keine einheitliche Methoden in der Leistungsdiagnostik gibt, die speziell auf den Fußball ausgerichtet ist, haben sich einige leistungsdiagnostische Testverfahren etabliert.  Einige dieser Testverfahren wie zum Beispiel die Spiroergometrie oder der Feldstufentest (umgangssprachlich auch Laktattest genannt) setzen einen großen technischen und finanziellen Aufwand voraus und eignen sich daher nicht für den Amateurfußball. Weiter bestimmen auch diese Verfahren überwiegend einzelne Leistungskomponenten und berücksichtigen damit lediglich einen geringen Anteil der fußballspezifischen Handlungsfolgen. Bei diesen Verfahren stellt sich neben der Finanzierung vor allem die Frage der Nützlichkeit der erhobenen Messwerte für die Bestimmung der komplexen Leistungsfähigkeit eines Fußballers.

Bestehende Testverfahren

Hoff-Test

Der modifizierte Hoff-Test dient dazu, die aerobe Leistungsfähigkeit im Fußball zu beurteilen. Hauptziel dieses Tests ist es, die maximale Sauerstoffaufnahme der Probanden zu bestimmen (erfahre hier mehr über die maximale Sauerstoffaufnahme und Ausdauerleistung im Fußball).

Die Spieler dribbeln durch einen Parcours. Der Ball wird jeweils über 30 – 35 cm hohen Hürden gelupft. Zum Ende des Parcours drehen sich die Spieler um 180 Grad und dribbeln den Ball rückwärts zwischen zwei Hütchen.

Der Parcours entspricht einer Strecke von 290 Metern.  Während der Testdurchführung wird die zurückgelegte Distanz innerhalb von zehn Minuten gemessen. Nach 5 und 9 Minuten wird jedem Spieler ein akustisches Signal gegeben, um dem Spieler eine zeitliche Orientierungshilfe zu geben.

Eine Studie von Chamari et al. (2005) zeigt einen engen Zusammenhang von Laboruntersuchungen und den Leistungen im Hoff-Test. Die Studie gibt für U-15-Fußball-Spieler eine Zieldistanz von 2100 Metern an. Diese Distanz erfordert eine VO2max, die den Minimalanforderungen des modernen Fußballs entspricht.

Unser Fazit: Der Hoff-Test stellt eine einfache und kostengünstige Möglichkeit zur Überprüfung der aeroben Leistungsfähigkeit der Spieler dar. Mittels eines Re-Tests kann der Hoff-Test auch zur Feststellung einer trainingsbedingten Verbesserung der VO2max-Aufnahme genutzt werden.

Yo-Yo Intermittent Recovery Test

Der „Yo-Yo Intermittent Recovery Test“ dient der Ermittlung der intermittierenden Ausdauerfähigkeit von Fußballspielern.

Während des Tests laufen die Probanden zwischen zwei Hütchen im Abstand von 20 Metern hin und her. Nach jedem Hin- und Herlaufen (Shuttle) erfolgt eine Pause von zehn Sekunden, bei der die Probanden zwischen zwei Hütchen im Abstand von fünf Metern hin und her gehen. Die Geschwindigkeit für jeden Shuttle ist durch ein akustisches Signal vorgegeben und steigert sich nach einem vorgeschriebenen Protokoll.  Erreicht ein Spieler zweimal aufeinander folgend das Hütchen nicht zum vorgegebenen Zeitpunkt wird der Test abgebrochen. Die zurückgelegte Distanz wird festgehalten und repräsentiert das Testergebnis (Bangsbo, 2008).

„Intermittierend“ bezieht sich auf das zeitweilige Aussetzen der Belastung durch die zehn Sekunden Pause nach jedem Shuttle, so dass sich die Muskeln erholen können.

Verschiedene Studien u.a. von Rampinini et al. (2009) zeigen, dass die maximale Sauerstoffaufnahme stark mit den Ergebnissen des Yo-Yo Intermittent Recovery Test korreliert.

Unser Fazit: Fehlende fußballspezifische Handlungsfolgen im Bereich der Technik wie ein Dribbling oder Passspiel verringern die Nützlichkeit des Yo-Yo Intermittent Recovery Tests.

Illinois Agility Test

Der Illinois Agility Test dient der Ermittlung der Agilität (erfahre hier mehr zur fußballspezifischen Agilität).

Auf ein Startzeichen durchläuft der Spieler einen Parcours mit

maximaler Geschwindigkeit. Gemessen wird die Zeit, die der Spieler benötigt bis er das Ziel-Hütchen erreicht hat (Mackenzie, 2011). Weiter kann man den Test sowohl mit als auch ohne Ball durchführen. Durch Hinzunahme des Balls erhält der Illinois Agility Test eine sportartspezifische Technikanforderung.

Die Testdaten können dem Trainer zur Entwicklungskontrolle jedes einzelnen Spielers und als Vergleichswert innerhalb der Mannschaft dienen.

Als Referenzwerte für 16- bis 19- Jährige bei einem Durchlauf ohne Ball dient die unten aufgeführte Tabelle.

Geschlecht Überdurchschnittlich Durchschnittlich Unterdurchschnittlich Schlecht
Männer 12,5 – 16,1 sec 16,2 – 18,1 sec 18,2 – 19,3 sec > 19,3 sec
Frauen 17,0 – 17,9 sec 18,0 – 21,7 sec 21,8 – 23,0 sec > 23,0 sec

Unser Fazit: Der IAT ist ein einfaches und kostengünstiges Testverfahren zur Ermittlung der Agilität, den wir neben verschiedenen anderen Agility-Tests häufig verwenden.

Squat Jump und Counter Movement Jump

Der Counter Movement Jump (CMJ) wird als Test zur Feststellung der Sprungkraft der unteren Extremitäten angewendet. Der CMJ ist ein Hock-Streck-Sprung, der in aufrechter Standposition beginnt. Es folgt ein zügiges Absenken des Körperschwerpunktes und es folgt direkt ein Absprung mit einer maximalen Streckung der Knie und der Hüfte. Mittels einer mobilen Messplattform wird die Flughöhe in Zentimetern oder die Flugzeit in Millisekunden bestimmt.

Der Squat Jump (SJ) ist ein Strecksprung. In der Startposition wird eine Kniebeuge mit etwa 90° Knie- und Hüftwinkel eingenommen.  Aus dieser Ausgangsposition erfolgt der Sprung ohne Auftaktbewegung.  Eine Kraftmessplatte misst die Flughöhe und bestimmt auf dieser Basis die Maximalkraft der Muskulatur der Beinstrecker (Richter, 2011).

Verschiedenen Studien nach besteht ein signifikanter Zusammenhang zwischen den Sprungleistungen und der Laufgeschwindigkeit über alle Beschleunigungsphasen  (Richter, 2011).

Unser Fazit: Die aufgeführten Tests geben Aufschluss über die Laufgeschwindigkeit, stellen jedoch keinen Bezug zur Sportspielart Fußball her. Darüber hinaus ist eine entsprechende Messplatte sehr kostenintensiv und auch die Auswertung und Trainingsableitung sollte von einem Fachmann durchgeführt werden.

Weitere Verfahren der Leistungsdiagnostik

Neben den oben aufgeführten Testverfahren hat sich u.a. auch der Functional Movement Screen (FMS) im Fußball etabliert (weitere Infos findest du hier).

Nachdem der FMS eine Zeit als das effektivste Tool zur Bestimmung des Verletzungsrisikos galt, häufen sich in den letzten Monaten Studien über die Ungenauigkeit der Testergebnisse. Eine für uns sehr hilfreiche Testbatterie bildet das präventive Screening der Berufsgenossenschaft VBG (hier geht’s zu den Testergebnissen).

Das Testprotokoll enthält neben einigen der oben vorgestellten Testverfahren auch weiteren einfache und kostengünstige Verfahren zur Bestimmung des Verletzungsrisikos und der fußballspezifischen Leistungsfähigkeit. Aufgrund der Normwerte, der guten und leicht verständlichen Erklärungen sowie der zum Runterladen bereitgestellten Testprotokolle eignen sich diese Tests hervorragend für den Amateurfußball.

Fazit

Richtig durchgeführt und interpretiert können leistungsdiagnostische Verfahren einen hohen Nutzen für die Trainingsarbeit haben. Die Testergebnisse können beim Entwerfen eines guten, spezifischen Athletiktrainings sowie einer adäquaten Trainingssteuerung helfen.

Wichtige Voraussetzungen für geeignete sportartspezifische, leistungsdiagnostische Verfahren sind vor allem die Einhaltung der Rahmenbedingungen der Zielsportart, die Berücksichtigung der häufigsten Verletzungen, der individuellen Fähigkeiten, der taktischen Ausrichtung sowie der jeweiligen Positionen. Sind diese Voraussetzungen gegeben, bieten leistungsdiagnostischen Verfahren tolle Möglichkeiten für eine Trainingsoptimierung. Weitere Informationen erhältst Du wie immer unter www.soccathletix.de oder auf www.facebook.de/soccathletix.

 

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